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Christa Ruckh GmbH Service

Liebe Briefmarkenfreunde/-innen,

der Versuch einer zusammenfassenden Darstellung der professionellen Behandlung des Themas "Briefmarken" war wohl lange überfällig. Fachliteratur, für nahezu alle Themenkreise des Gebietes, gibt es in Hülle und Fülle. Ob altdeutsche Bereiche oder Übersee, man findet, sofern man sich nur etwas bemüht, ausreichende Darstellungen bis hin zur detaillierten Beschreibung einzelner Marken, z.B. Basler Taube, Bayern No.1, - oder auch sehr gute Berichte über bemerkenswerte Zeitabschnitte wie DR/Inflationsausgaben u.a. mehr. Der fachlichen Information sind, dank zahlreicher engagierter veröffentlichender Philatelisten und einer Vielzahl unterschiedlichste orientierter philatelistischer Arbeitsgemeinschaften, kaum Grenzen gesetzt. Leider erscheint die Nutzung dieser Informationen nur einer geringen Zahl von Interessenten vorbehalten. - Die Ausleihzahlen der philatelistischen Büchereien sind erschreckend gering. Natürlich ist es müßig sich darüber zu ereifern, dass vorhandenes Informationsmaterial nur begrenzt in Anspruch genommen wird. 

Das aber manch´ Mann oder Frau sich gleich als "allwissender Sammelexperte" fühlt, wenn erstmalig Marken am Postschalter, oder wo auch immer, erworben wurden, ist ein allzu häufiger und zumeist folgenschwerer Trugschluss. Einen Versuch, etwas Transparenz in die Technik des Sammelns im Allgemeinen zu bringen, mit aber auch spezieller Berücksichtigung des Themas "Briefmarken", finden Sie weiter unten - wobei allerdings die rein philatelistische Sichtweise, sofern es diese letztendlich überhaupt gibt, beim Grundsätzlichen ausgeblendet bleibt.

Markteinschätzung
Briefmarken

Übrigens

wird jede professionelle und honorarfreie Arbeit zum Thema "Briefmarken" (z.B. zum Thema Fälschungserkennung, Farbprüfung, etc.) von uns zur Veröffentlichung angenommen und auf unserer Internet-Homepage der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt.

Über uns

Markteinschätzung

Markteinschätzung eines Sammelgebietes und Sammlungstypologie

1. Markteinschätzung

Die technische Einschätzung eines Sammelgebietes vollzieht sich immer nach praktisch gleichen Kriterien, die in folgenden Fragen ausformuliert werden können:

Sind erkennbar hohe Präferenzen der Nachfrageseite für das gewählte Gebiet vorhanden?
Auch für den speziell gewählten Sektor?
Gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Anbieter (Stationäre Händler, Versender, Auktionsunternehmen, Sondermärkte, Messen)?
Welche Preisunterschiede gibt es bei sigfikant identischen Objekten?
Dient die Sammlung Anlagezwecken?
Rein nonrenditeorientiertes Sammeln ohne finanziellen Anspruch?
Soll die Sammlung (nach Abschluss) evtl. einem Dritten übergeben werden?

Soll die Sammlung (nach Abschluss) verkauft werden? Diese Fragen sollte sich jeder, der eine Sammlung aufbaut, oder aufbauen möchte, stellen und mit realistischen Antworten versehen. Auch eigene Zusatzfragen sind nicht schädlich! Müßig zu erwähnen, dass man sich seiner Sammlung anschließend sicher sein sollte.

2. Typologie des Sammelns

2.1. Anlageorientiertes Sammeln

Orientiert man den Aufbau einer Sammlung ausschließlich an Renditevorstellungen, ist die Markteinschätzung relativ einfach, da hierbei die gängige Zinseszinsformel in Anwendung gebracht werden kann, mit der Festlegung eines individuellen Zinszieles.

Anlagebetrag 10000,-- DM Zielverzinsung 7%
Anlagedauer 10 Jahre
Zielkapital ca. 20000,- DM (nach 10 Anlagejahren)

Ist das Zielkapital nicht erreichbar, sollte man entweder sein Zinsziel revidieren oder auf die Anlage verzichten.

2.2. Renditeorientiertes spekulatives Kurzzeitsammeln

Rein börsentechnisch ausgerichtetes Sammeln, lediglich bedacht auf die zügige Realisation einer möglichst hohen Rendite, ist an sich kein Sammeln, sondern reine Spekulation mit dem betreffenden Material. Hierzu bedarf es aber einer außerordentlichen Portion Erfahrung und Marktübersicht.

2.3. Nonrenditeorientiertes Sammeln

Sammeln als Selbstzweck, ohne finanzielle Marktansprüche. D.h. dieser Sammler erfreut sich seiner Objekte ohne jedwede Ansprüche an wen auch immer zu stellen. Die reine Form, bewusst ausgeführt, wird in der Regel kaum vorkommen.

2.4. Geschichtlich oder thematisch orientiertes Sammeln

Mischform, und der Regelfall. - Hierunter fällt wohl die Hauptmasse aller Sammlungen.

Sammler reklamiert für sich teilweise das anlageorientierte Sammeln, als auch gelegentliches Spekulieren. Vorzugsweise Führung der Sammlung aber unter themenbezogenen Gesichtspunkten (Von der Länderslg. bis zum Spezialthema). Ziel der Sammlung ist z.B. eine vollständige Partie aller Marken eines Landes o.ä. Dabei werden z.T. bewusst finanzielle Risiken eingegangen, bzw. Verlustpotentiale ignoriert und Gewinnpotentiale überschätzt oder auch verkannt. I.d.R. Ausrichtung des Engagements mehr am Thema als an den Marktdaten.

Die Feststellung des eigenen Verhaltens im Markt dürfte, nach Übersicht, leicht möglich sein.

3. Spezielle Markteinschätzung diverser Bereiche/Gebiete/Positionen

In Absatz 1 (Markteinschätzung) wurde bereits ein Fragenkatalog zur Einschätzung vorgestellt.

Diese allgemein formulierten Fragen lassen sich technisch am einfachsten beantworten, wenn auf einer Skala von 1 bis 9 Punkte vergeben werden. Diese Punkteinteilung differiert ausreichend und bildet, auf Grund der ungeraden Punktzahl, immer eine Entscheidung ab. Maximale Punktzahl 45, ab 23 Punkte überwiegt z.B. eine positive Tendenz.

Bezeichnung
- Wertigkeit +
Nachfragepräferenzen
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Anbietervielfalt
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Preisdifferenz Angebot*
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Verzinsung Anlagekapital
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Verkaufsmöglichkeit/allgem.
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Tabelle 1
* = bei signifikant identischen Objekten

Es können natürlich zusätzlich eigene Parameter hinzugefügt werden. - Die genannten wesentlichen und bestimmenden Faktoren sollten allerdings nicht ignoriert oder ausgeklammert werden.

Diese Einschätzungsmöglichkeit, anhand Tabelle 1, gilt generell für alle Sammelbereiche. Es ist gleichgültig ob Briefmarken, Münzen, Porzellane, Kunstgegenstände oder sonstige sammelwürdigen Sachgüter eingestuft werden sollen. Bei Punktzahlen bis maximal 15 bewegt sich das Sammelgut im sprichwörtlich luftleeren Raum, - die Verkaufschancen sind denkbar mäßig, - eine rentable Investition wird sich dahinter nicht mehr verbergen.

3.1. Preisdifferenzen
Einheitliche Preisforderungen gibt es in der Regel nicht. - Je nach Angebotsform sind mehr oder minder große Differenzen feststellbar.

Preisvergleiche sollten daher immer durchgeführt werden. - Allerdings dürfen dabei nicht die sogen. "Äpfel" mit den "Birnen" verglichen werden.

Nur wenn alle Leistungsdaten übereinstimmen ist der Vergleich auch realistisch, d.h. es muss absolute Signifikanz (Übereinstimmung aller Daten bei absolut gleichem Objekt) vorliegen.

z.B. Objekt A Händler 1/100,-- Händler 2/120,--

Versandbedingungen: gleich

Zahlungsbedingungen: gleich

Händler 1 = günstigster Anbieter

In der Regel werden Entscheidungen jedoch nicht unbedingt in dieser Klarheit möglich sein, wenn z.B. qualitativ unterschiedliche identische Objekte angeboten werden. Hier sollte immer dem Qualitätsangebot der Vorrang eingeräumt werden.

Es ist aber darauf zu achten, dass sich nicht mittels überzogener Vorstellungen das Qualitätsargument überproportional im Angebotspreis widerspiegelt. Wenn ja, sollten weitere Angebote eingeholt werden.

3.2. Überproportional große Preisdifferenzen bei signifikant gleichen Objekten
Ein solcher Preisspiegel lässt auf spekulative Engagements der Angebotsseite schließen und weist gleichzeitig auf hoch einzuschätzende Nachfrage hin.

Auch besteht die Möglichkeit, dass Abwärtstendenzen des Angebots noch nicht von allen preislich umgesetzt wurden, - oder dass sich der Markt in der Vorwärtsbewegung befindet. - Letzteres ist immer dann der Fall, wenn sich nur vereinzelt Angebote mit deutlich niedrigeren Preisforderungen finden.

Man sollte sich aber grundsätzlich darüber im Klaren sein, dass Sachanlagen, gleich welcher Art, preislich ausschließlich von Angebot und Nachfrage bestimmt werden, da diesen Gütern keinerlei Produktivitätswert zugesprochen werden kann.

3.3. Markteinschätzung eines Sammelgebietes
Beispielsammlung: Altdeutschland - speziell Bremen

Die Sammlung soll alle erschienenen Marken eines Gebietes, incl. der Farbunterschiede enthalten. Gewünschte Qualität: mindest Pracht. Selbstververständlich müssen alle Marken dieses Gebietes vom zuständigen Fachprüfer signiert und für einwandfrei befunden worden sein.

Zur Aufwertung und Verbesserung sollen Briefe integriert werden, um die verschiedenen Portostufen zu dokumentieren und eine Übersicht über die verwendeten Stempel zu erhalten.

Spezielle Markteinschätzung dieser Sammlung anhand der Tabelle aus 3.

Bezeichnung
- Wertigkeit +
Nachfragepräferenzen
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Anbietervielfalt
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Preisdifferenz Angebot*
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Verzinsung Anlagekapital
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Verkaufsmöglichkeit/allgem.
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Tabelle 2
* = bei signifikant identischen Objekten

Die Punktwerte dieser Sammlung sind fett angezeigt. Gesamt: 35

Die Nachfragepräferenz dieser Sammlung dürfte im mittleren Punktbereich angesiedelt sein, da sicher viele Philatelisten über eine solche Sammlung verfügen möchten. Ob aber jeder dieser Interessenten bereit ist, das erforderliche Kleingeld bereitzustellen, muss bezweifelt werden. Daher nur mittlerer Wert von 5 Punkten.

Anbietervielfalt (unter Berücksichtigung aller Anbieter/incl. Auktionshäuser) kann nicht unbedingt attestiert werden. - Die meisten Materialpositionen werden wohl über verschiedene Auktionshäuser erworben werden müssen. Auch hier ist nur eine mittlere Wertung möglich: 5 Punkte.

Preisdifferenz Angebot für signifikante Objekte, sofern das hier überhaupt möglich sein sollte, - mit Sicherheit sehr hoch. Höchste Punktzahl: 9 ! - Bitte also Preisvergleiche nicht vergessen und ein bisschen Pokern kann auch nicht schaden!

Verzinsung des Anlagekapitals - Berücksichtigt man die Ergebnisse wichtiger, von Zeit zu Zeit wieder im Auktionsmarkt auftauchender Stücke, werden stets deutlich verbesserte Ergebnisse erzielt. Eine abfallende Tendenz ist nicht feststellbar, so dass man sagen kann, hier wird das eingesetzte Kapital mindest gut durchschnittlich verzinst. Punktzahl: 7

Verkaufsmöglichkeit/allgemein - Allgemein und speziell ist Bremen ein recht beliebter Klassikbereich. - Gut ausgebaute, qualitätvolle Sammlungen erzielen, trotz begrenzter Nachfragepräferenz, interessante und gute Preise. - Überzeugende Objekte werden i.d.R. in den Primärterminen der anbietenden Auktionshäuser verkauft. Daher Punktzahl 9!

Insgesamt also ein Sammelgebiet das sich zu pflegen lohnt. Philatelistisch hochinteressant. - Gut ausgebaute Objekte sollte man auch der Öffentlichkeit über Ausstellungen zugänglich machen. Die durchschnittliche Verzinsung des eingesetzten Kapitals, über einen längeren Zeitraum, kann sich sehen lassen. - Effektiv konnten i.d.R. 6-7% festgestellt werden. Gelingen günstige spektakuläre Neuentdeckungen, bietet dieses Gebiet renditetechnisch außerordentliche Möglichkeiten. - Die Einstufung, bei rd. 80% der möglichen Punkte, sicher nicht unrealistisch.

4. Risiken der Anlage in Briefmarken

Wie jede Sachanlage unterliegt auch die Anlage in Briefmarken den Gesetzen von Angebot und Nachfrage, - und zwar ausschließlich. Denn, abgesehen von postgültiger Nominale, kann dem Material keinerlei Produktivitätscharakter attestiert werden.

Da es sich um einen dem Freizeitsektor zurechenbaren Marktbereich handelt, der sich langfristig gebildet hat, kann von einer stetigen und wohl auch kontinuierlichen allgemeinen Nachfrage ausgegangen werden, deren ursächliche Begründung sicher in der nicht zu übersehenden geschichtlichen Bedeutung des Materials zu finden sein dürfte. Preisentwicklungen sind absolut abhängig vom aktuellen Interesse/oder Desinteresse des Publikums an den jeweils favorisierten Ausgaben.

Gehandelt wird, i.d.R., in Abhängigkeiten von preispräjudizierenden Veröffentlichungen (z.B. Preisangaben in Briefmarkenkatalogen, - von Land zu Land verschieden. - In Deutschland allgemein nach Angaben des MICHEL-Kataloges) und dem erkennbaren Trend aus periodisch erscheinenden Fachzeitschriften mit ihren Anzeigenmärkten.

Die Schwankungsbandbreite der Preise für das Material ist allgemein sehr groß. - Nur wenigen Gebieten/Sammlungsbereichen kann man eine feste oder, noch seltener, steigende Preistendenz attestieren.

Allerdings lässt sich unschwer feststellen, - z.B. anhand von Auktionsergebnissen für signifikante Stücke/Sammlungen, dass eine kontinuierliche Verzinsung des eingesetzten Kapitals nur dann erreicht wird, wenn ganz konsequent Spitzenqualität aus solchen Bereichen übernommen wurde, die über einen ganz engen Angebotsspielraum verfügen. Massensammlungen erreichen, wie bekannt, keinerlei Aufwertung. Stattdessen muss beim Verkauf mit erheblichen Abschlägen auf den investierten Betrag gerechnet werden.

Prestigeobjekte, wie die "Blaue oder orangene Mauritius" o. sonstige Museumsstücke, die nicht einmal in marginalen Quoten existieren, unterliegen genauso dem Marktverhalten der agierenden Teilnehmer. - Nur sind hier, unter Berücksichtigung der Startpreise solcher Objekte, naturgemäß die Interessentenzahlen recht begrenzt, - wenn auch d.f. wohl allzeit sehr nachfragestark.

Generelle Geltung aber hat: Mit Sachkunde und Erfahrung lässt sich manch gutes Objekt aufbauen, das dann auch "seine(n) Mann/Frau steht", - gleichgültig ob Ländersammlung oder Spezialobjekt. D.h. - Seriöse Information ist für Sachanlagebereiche alles! - Ohne ausführliche Vorinformation werden unkalkulierbare Risiken billigend in Kauf genommen und Chancen, die jedes Gebiet beinhaltet, nicht oder kaum erkannt.

Deshalb: Minimieren Sie Ihr Sachanlagerisiko durch Maximierung Ihres Fachwissens und durch konsequente Beobachtung des Marktes. Befassen Sie sich mit dem Material, das Sie auch persönlich zum Engagement reizt, - und vermeiden Sie Bereiche zu denen Ihnen informationstechnisch, oder auch sonst, kein effizienter Zugang gelingt.

5. Organisationsgrundsätze für den Aufbau von Sammlungen

5.1. Definition des Sammlungszieles

Nach Markteinschätzung des angesteuerten Gebietes ist es empfehlenswert, sich ein Sammlungsziel zu definieren.

Beispiel: Slg. Bundesrepublik 1949-heute // gestempelt. Alle Spitzenwerte mit Prüfung durch die zuständigen Verbandsprüfer. Qualität: Einwandfrei Pracht. - Prüfzeichen möglichst in Beststellung/mindest guter Standard. Marken lose. Möglichst Sonderstempel (zentrisch aufgesetzt). Unterbringung: Falzlosalbum, aktuelle Ausstattung. Ziel: Gehobene Gestempelt-Slg. für ein aktuelles Gebiet.

Bei Konzentration auf das Objekt, wird man feststellen, dass der Aufbau dieser verhältnismäßig einfachen Sammlung sehr zügig voranschreiten wird.

5.2. Planung des Etatrahmens
Definition des Mitteleinsatzes. Welcher Betrag z.B. monatlich (oder jährlich) für den Sammlungsaufbau bereitgestellt wird. Vorgabe eines Gesamtaufwandes: - z.B. 1800,- DM.

5.3. Fachliche Einarbeitung
In jedem Falle ist das Einholen zielbezogener Informationen unabdingbare Voraussetzung für einen planvollen Auf- und Ausbau des anvisierten Objektes. Unter Berücksichtigung der bisher erhaltenen Hinweise zur Marteinschätzung und durchgeführter Selbsteinstufung des ausgesuchten Bereiches, sind sach- und fachbezogene Informationen zu beschaffen, die es ermöglichen von vornherein überflüssige Risiken zu vermeiden (z.B. Übervorteilung durch informierte Dritte).

5.3.1. Fachliteratur

  • Aktueller Gebietskatalog
  • Fachzeitschriften (zwecks Preisübersicht/aktuell)
  • Auktionskataloge (wie vor)
  • Veröffentlichungen zu speziellen Themen (Druckverfahren usw.)

Eine kleine Minimalübersicht!

5.3.2. Handdatei
Anlage einer eigenen Datei. - Immer dann sinnvoll, wenn eine Sammlung mit relativ anspruchsvollem Charakter geplant ist (z.B. Ausweitung o.gen. Sammlung mit Briefen u.a.) Kartiert werden sollten z.B. typische Markengrößen (zur Prüfung der Originalität teurer Einzelstücke auf Nachzähnungen), vorgefundene und bestätigte Falschstempel, charakteristische Papiertypen, Gummierungen usw. Je abgestimmter diese Datei auf die zu analysierenden Bereiche ist, - je geringer die Chancen Verfälschungen zu übersehen.

5.3.3. Aufbewahrungssicherheit f.d. Sammelgut
Erhalten werden sollte in jedem Falle der Ursprungszustand des Sammelgutes. - D.h. es ist jede Veränderung des Originals zu vermeiden. Dass man heute z.B. auch keine Falze mehr an gestempelte Marken klebt, versteht sich, unter Berücksichtigung der gebotenen preiswerten Falzlos-Unterbringungsmöglichkeiten, wohl von selbst.

5.3.4. QUALITÄT
Naturgemäß gibt es eine Vielzahl von Qualitätseinstufungen. - Sammelwürdig, im engen Sinne, sind nur erste Qualitäten, - da diese stets eine stabile Nachfrage behalten werden (Pracht/Kabinett/Luxus).

6. Sicherung des Bestandes

6.1. Allgemeines
Jedes im Kern spekulativ zu sehende Gebiet wird immer von einer größeren Zahl mehr oder minder laienhafter (oder - selten - auch professioneller) Fälscher begleitet. Die Versuche, über den Weg der Verfälschung/Fälschung an des Anlegers gutes Geld zu kommen, sind speziell im Briefmarkenbereich derart vielfältig, - wenn auch zum guten Teil stümperhaft bis hin zu regelrechtem Dilletantismus, dass man nicht umhin- kommt, sich mit dieser Problematik gründlich auseinanderzusetzen. Vernachlässigung der Sicherheitsaspekte ist praktisch gleichbedeutend mit eventuellem Totalausfall der erworbenen Stücke.

6.2. Prüfung erworbenen Materials

6.2.1. Eigene Vorprüfung - Vorbereitung eigenen Prüfmaterials
Damit sich der Aufwand für Prüfungen durch Dritte (z.B. anerkannte Prüfer des deutschen Prüferverbandes) auf das Wesentliche konzentriert, - auch die Kosten begrenzt werden können -, ist es unerlässlich sich selbst mit der Materie zu befassen. Generelles ist bereits in den Organisationsgrundsätzen ausgeführt.

Eigene Vorprüfung ?? Dies hört sich schwieriger an als es ist. Beispiel: Deutsches Reich 1872 - 1945 (o. andere Gebiete), - Problematik immer gleich!

6.2.2. Gummierung
Hier genügt es, - um die jeweilige Gummierung zu identifizieren, und auf Originalität überprüfen zu können, wenn man sich für die betroffene Ausgabe z.B. einen billigen postfrischen Originalwert als Muster behält.

Beispiel: Brustschilde - Mit einer gut erhaltenen MiNr. 20 (2 Gr./Großes Schild), schon der Stufe "Ungebraucht", wird der gesamte Brustschildbereich abgedeckt, sogar incl. der Ausgaben Mi.12,13. Natürlich sollte eine größere Fläche der Gummierung erhalten geblieben sein.

Das Muster dieses Originalgummis genügt, um festzustellen, ob die Prüfstücke einwandfreie Gummierungen tragen oder nicht. In gleicher Weise, - immer mit einem gut erhaltenen Billigwert, lassen sich auch alle anderen Gummierungen abgleichen.

6.2.3. Papier
Das Ausbessern beschädigter Stücke (Ansetzen von Zähnen, Ausfüllen von hellen Stellen, z.B. entstanden durch Falzabriss o.ä.) ist an der Tagesordnung. - Immer dann, wenn die Marke eine für den "Behandelnden" beachtlichen Wert signalisiert. Das können 500 MM o. mehr, aber auch schon bescheidene 10/20 MM sein.

Entscheidend ist, nach Beispielen, weniger die Wertigkeit an sich, als die wohl verbreitete Ansicht, jede Marke, auch die letzte "Krücke" einer Massenausgabe, ist etwas wert. - Woher diese Auffassung kommt, ist unergründlich.

Ein Erkennen solcher Reparaturen ist verhältnismäßig einfach, - betrachtet man die Marke allseits unter UV-Licht. - I.d.R. signalisieren abgedunkelte Bereiche, auf sauberen Stücken, Nachbehandlungen der beschriebenen Art. Auch hier kann zum Vergleich eine saubere Marke der gleichen Papiersorte die Erkennungsrate auf 100% stellen. Ist man immer noch nicht sicher, - kann, bei gebrauchten Stücken, ein Wasserbad endgültigen Aufschluss verschaffen. - Wenn sich an dem guten Stück beginnen, Teile von alleine zu lösen, - ist das Rätsel der dunkleren Bereiche schnell "gelöst"!!

6.2.4. Zähnungen
Nachzähnen ist an der Tagesordnung. - Die Problematik gleicht dem der Pos. 6.2.3. Lösung auch hier: - Einwandfreie, billige Typen der gleichen Markengröße und Zähnung als Muster.

Für schwierige Bereiche empfiehlt sich die Kartierung unter klarem Folienmaterial (mittels Laminieren), so dass man Auflagemuster erhält.

Ist das Gebiet besonders anfällig, sollten alle Zähnungstypen als geprüfte Muster vorliegen. - Die kleine Ausgabe macht sich rasch bezahlt.

6.2.5. Aufdrucke
Diagonal und quer geteilte Aufdrucke billiger Werte, kartiert nach dem Beispiel aus 6.2.4. sind hier die Lösung, - wenn gleichzeitig auch das Druckmuster (ob Hoch- oder Flachdruck) beachtet wird.

Schon geringste Abweichungen vom Original signalisieren ein "Falsch"!! Besonders sicher wird die Vorprüfung durch die Ablichtung eines geeigneten Originalstückes auf Klarsichtfolie. - Mit diesem Muster kann gleichzeitig die Winkelstellung des Aufdrucks überprüft werden. Wichtig: Kopie 1:1 !!

I.d.R. werden Aufdrucke mit recht einfachen Mitteln nachgeahmt, z.B. mit Gummistempeln (Wohl billigste Variante), so dass Größenabweichungen u. falsche Winkelstellungen an der Tagesordnung sind. Im Grunde sind das, wie vieles andere auch, laienhafte Stümpereien, - zwar ärgerlich, da am laufenden Band vorkommend, aber mit schon geringem eigenen Einsatz zügig zu erkennen.

Teure Notaufdrucke: z.B. SBZ-Handstempel, - ohne Prüfung durch den anerkannten Prüfer geht hier gar nichts. Ungeprüft = 0 !

6.2.6. Stempelfälschungen
An sich ein Kapitel für sich. - Da aber hier nur ausreichendes Vergleichsmaterial und umfangreiche Literatur (Veröffentlichungen der Post, Forschungsberichte usw.) weiterhelfen kann, sollte die endgültige Beurteilung, der Echtheit des Stempels eines wesentlichen Stückes, generell dem dafür aktuell zuständigen Verbandsprüfer überlassen werden.

Es ist eine unendliche Vielzahl von Stempeln unterwegs. - Das Fälschen, z.B. der INFLATIONSSTEMPEL des Deutsches Reiches ist praktisch ein nicht ernstzunehmender Volkssport, so dass in diesem Bereich kein Weg an einem externen und für das Ergebnis verantwortlichen Prüfer vorbeigeht. - Alles andere ist: - Geld mit bloßen Händen zum Fenster hinausschmeißen, - oder sich etwas vormachen. Eine kleine Schnellhilfe gibt es allerdings.

Da frühe Stempelfarben i.d.R. eine fette Basis haben, oxidiert dieser Anteil mit fortschreitender Alterung und bildet eine mehr oder weniger breite leicht bräunliche Schattierung an den Aufdruckstellen des Stempels aus. Daran kann zumindest eingeschätzt werden, ob der Stempel zeitgerecht aufgebracht wurde oder nicht. - Vorsicht ist aber trotzdem geboten, da das Nachstempeln usw. schon kaum nach Erscheinen der Marken begann (und beginnt). Infra-Marken mit glasklaren tiefschwarzen (oder hauchgrauen) frischen Abschlägen sind ca. vor 5 Minuten gestempelt worden, - aber sicher nicht im Zeitraum 1919-23. Ähnlich lassen sich auch andere Stempel einschätzen.

Grundsätzlich aber gilt: Ohne Testat eines anerkannten Prüfers ist das auch noch so hoch MM-Ausgewiesene gestempelte Stück eines gefährdeten Gebietes (z.B. DR - INFLA) im effektiven Wert bei nahe 0.

7. Farbprüfungen (Vorprüfungen)

Dank moderner Scanner und auch preiswerter Bildbearbeitungsprogramme mit Einzelfarbwertausweisungen (nach RGB o.a.) kein Problem. Sauberes Material und vorgeprüfte Vergleichswerte einzige Voraussetzung. - Dann braucht man auch an den farbtauglichen Scanner keine übertriebenen Ansprüche mehr zu stellen. - Hier hat die neue Technik gründlich gewirkt! Der letzte Absatz aus Abschnitt 6.2.6. hat aber auch hier, im übertragenenen Sinn, volle Gültigkeit.

8. Abschlussanmerkung

Viele vermeintlichen "Probleme" lassen sich mit etwas sachlicher Überlegung an sich leicht aus der Welt schaffen. Und...

Man sollte sich nicht allzu sehr davon beeindrucken lassen, welche hohen (oder noch höheren) Katalogwerte für vermeintlich kleines Geld geboten werden, sondern strikt nach den Anforderungen der eigenen Sammlungen auf Positionen setzen, die auch halten was man erwartet. Massen neben dem gewählten Gebiet sind nutzlos, und...

Niemand - weder Händler noch engagierter Sammler - hat etwas zu verschenken, besonders aber Qualität hat immer ihren Preis.

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